Die PowerPoint-Falle

— Written by: Ellen Hermens
Beamer für PowerPoint-Präsentation

Beamer für PowerPoint-Präsentation

Letztens war ich auf einem Vortrag und habe wieder einmal erleben dürfen, wie der Redner in die Power-Point-Falle getappt ist.

Er hatte seinen Vortrag als PowerPoint-Präsentation vorbereitet. Die Folien waren überfüllt und er hielt sich strikt an den Ablauf. Was hätte er anders machen können und wie hätte er geglänzt?

Inhalt von Folien

Der Redner hat die Folien leider nur mit Worten und daneben kleinen Digrammen gefüllt. Teilweise waren ganze Sätze dort untergebracht. Der Redner trug die Sätze exakt so wie auf der Folie vor – eine hervorragende Gedächtnisleistung und teilweise schwer verständlich.

Aber es war nicht alles so: hin und wieder “brach” der Redner aus und erläuterte das Thema der Folie mit zusätzlichen Anekdoten und Argumenten, was hervorragend war. Da habe ich mich dann gefragt: warum macht er das nicht von vornherein?

Abseits der Folien redete der Redner freier, lockerer und schneller. Ich merkte, wie die Begeisterung des Themas ihn ergriff. Und hier wurde seine Kompetenz deutlich, denn er hatte das KnowHow, aus dem ja nur ein Bruchteil in der Präsentation steckte. Und vor allem kannte der Redner die Materie von der Pike aus seinem Studium und dann aus der langjährigen Praxis.

Der Redner war ein wenig in Zeitnot und hielt sich irgendwann so an das Skript, dass er nur noch vorlas. Schade. Er hatte eine angenehme Art vorzutragen, aber mitreißend waren nur seine “Ausreißer”.

Ich kann es nur immer wieder betonen: Wenn Sie eine Präsentation in PowerPoint vorbereiten, dann nutzen Sie NUR Stichworte und am besten nur 3-5 Zeilen insgesamt auf der Folie. Wenn überhaupt Worte sein müssen – noch besser ist, wenn Sie nur Bilder oder Symbole nutzen. Bilder und Symbole werden rechtshirnig verarbeitet und viermal schneller als Worte – sie gehen direkt in die Emotion. Worte müssen von der linken Gehirnhälfte erst in die rechte “übersetzt” werden.

Handouts sind nicht die Präsentation

Eine andere Seite der Power-Point-Falle ist: die Präsentation so vorzubereiten, dass man die Folien als Handout austeilt. Dieses Vorgehen sorgt dafür, dass die Folien zu voll werden, damit der Leser auch nachträglich noch alles versteht. Eine gute Folie ist ohne den Redner unvollständig – hier sehen Sie schon den Konflikt. Kann die Folie für sich alleine stehen, dann ist der Redner doch überflüssig. Sie als Redner geben doch der Folie erst ihren Sinn. Die Folie soll Sie ja nur unterstützen.

Und: wenn Sie Handouts vorweg austeilen, dann blättern die Teilnehmer während des Vortrags. In diesem waren vier Folien auf eine Seite gedruckt und alle vier Folien blätterten die Teilnehmer um – leider war die Ringbindung dabei so laut, dass der Redner erst mal nicht zu hören war. Das heißt: alle vier Folien war der Redner zu einer kurzen Pause gezewungen. Schade.

Meine Empfehlung an Vortragsredner ist: bereiten Sie eine Präsentation vor und dann ein separates Handout! Dies sind unterschiedliche Dokumente! Die Präsentation darf ohne Sie als Redner nicht allein verständlich sein. Und Sie können Ihre Grafiken und Symbole so vereinfachen, dass sie gut und schnell auch in der letzten Reihe zu erfassen sind.

Das Handout nutzen Sie, um die von Ihnen gesprochene Information weiter zu geben. Hier können Sie dann ausführlich erklären. Im allgemeinen teilen Sie das Handout nach Ihrer Präsentation aus – dann vermeiden Sie, dass Sie “niedergeblättert” werden.

Agenda in der Präsentation

Es ist exzellent, eine Agenda Ihrer Präsentation zu haben, um zu wissen, worüber Sie sprechen und wie Sie vorgehen. Der Redner in dieser Präsentation hat das leider auf die Spitze getrieben. Er hat uns vorgetragen, welche einzelnen Folien er auflegen wird.

Ein guter Anfang einer Rede ist eine Zusammenfassung des Themas und des Ausgangs zu geben. Bitte sehen Sie von der detaillierten Agenda ab – sie ist für Sie als Vortragenden wichtig. Für die Teilnehmer ist das eher langweilig, weil sie sich darunter noch nichts vorstellen können. Vor allem nimmt es unter Umständen die Spannung aus der Präsentation, weil Sie den Verlauf schon vorab verraten.

Nutzen Sie eine Zusammenfassung mit dem Ausblick auf das Resultat, um Spannung aufzubauen und legen Sie dann los – gehen Sie den Weg, den Sie sich als Argumentationskette zurecht gelegt haben.

Die PowerPoint-Falle

Der Vortrag war gut – stimmlich angenehm, exzellent ausgearbeitetes Material. Ich war begeistert von der Eloquenz und den Argumentationsketten. Gefestigt mit Studien und Praxisbeispielen und der Kompetenz des Vortragenden. Ich habe die Begeisterung zum Thema gespürt, wenn sie auch oft gefangen in der Präsentation war.

Und der Redner kann hier noch einiges verbessern. Die “Ausreißer” von der Präsentation in die freie Rede und Improvisation waren erfrischend und hier empfehle ich dem Redner diese Stärke auszubauen. PowerPoint am besten weg zu lassen, oder auf ein Minimum zu reduzieren und frei zu reden. Die Kompetenz ist da – lassen Sie sie sprühen.

Zeigen Sie Ihre Begeisterung, damit unterhalten Sie Ihr Publikum und reißen es so richtig mit.

Mit anderen teilen:
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • MisterWong
  • Technorati
  • Yigg
  • LinkedIn
  • Twitter
  • MisterWong.DE
  • MySpace
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yahoo! Buzz

2 Responses to “Die PowerPoint-Falle”

  1. kopfarbeit sagt:

    Ein sehr guter Artikel zum Thema, insbesondere die Hintergrundinfo mit der unterschiedlichen Verarbeitung von visueller und verbaler Information – hilfreiche Grundkenntnisse in Perzeptionspsychologie und Neurologie fehlen leider in sehr vielen Seminaren und Kursen zu Themen wie Präsentation, Rhetorik etc., obwohl sich aus ihnen sehr viele Gebote für das Erstellen einer guten Präsentation ableiten lassen.

  2. Peter Hofmann sagt:

    Das Wichtigste vorweg:

    Es gibt gute Präsentationen MIT und OHNE Powerpoint und es gibt schlechte MIT und OHNE Powerpoint!!!

    Was der Redner jedoch beachten muss, wenn er Powerpoint verwendet ist die weit grössere Anzahl der Möglichkeiten, wie er/sie die Rede selbst beeinträchtigen oder gar ruinieren kann. Eine Powerpoint-Präsentation vorzubereiten erfordert bei weitem mehr Arbeit, als eine Rede ohne. Eine gut durchdachte Folie braucht 3-5 Std. Zeit. Manchmal sogar mehr!

    Mit folgenden Regeln komme ich selbst gut zurecht:

    1. Die Rede muss auch ohne Folien funktionieren; d.h. wenn ich die Rede ohne Folien halte sind alle Punkte enthalten und verständlich. Die Rede und der Redner stehen im Mittelpunkt, nicht die Folien!

    2. Die Folien unterstützen, verstärken und illustrieren (nur) die Punkte, die in der gesprochenen Rede herausgearbeitet werden. Die führt automatisch dazu, dass die Folien von Graphik und Bildern dominiert werden.

    3. Zuerst wird die Rede geschrieben (Struktur, Hauptpunkte, Rede-Message) dann die Folien dazu erstellt. Die Abstimmung zwischen Rede und Folien reduziert meist die Materialfülle. Diese Arbeit ist mühsam, zeitraubend aber dringend notwendig damit Rede und Folien wie “aus einem Guss” wirken.

    4. Nach meiner Erfahrung braucht man im Schnitt 3-5 min pro Folie (die Zeit kann je nach Inhalt und Redner variieren). Das ergibt für einen 30 min Vortrag bei je einer Eröffnungs- und Schluss-Folie nur vier Inhalts-Folien. Das erfordert Fokussierung und Disziplin.

    5. Weniger ist mehr! Was bei der Rede die Pause ist ist auf den Folien die freie Fläche. Geben sie dem Auge der Zuhörer die Möglichkeit den Kernpunkt der Folie zu erfassen und sich auf freier Fläche “auszuruhen”.

    6. Dieser Punkt ist die logische Konsequenz aus 1-5: Das “Recyclen” bereits bestehender Folien sollte die absolute Ausnahme sein. Es zerstört regelmäßig die gezielte Ansprache des Publikums udn hemmt den Redefluss. Alte Folien passen doch nie wirklich und verhindert das Focussieren auf die wenigen zentralen Punkte. (Nicht mehr als einer pro Folie!)

    7. Geben sie den Zuhörern (nach der Rede oder der Veranstaltung) die Folien UND den Rede-Text. Und was hindert Sie daran noch weitere Folien für Hintergrundinformation mitzugeben? Dies reduziert von Beginn an den eigenen Drang alles in die Folien zu packen und damit zu überfrachten.

Leave a Reply

... weil Sie Sie selbst sein dürfen.

 

Intensiv vorbereiten auf Ihre Eröffnungsrede

Nutzen Sie das Intensiv-Coaching eines halben oder ganzen Tages, um sich ideal auf Ihren erfolgreichen Vortrag oder Rede vorzubereiten.
[Intensiv-Coaching]

Coaching mit Videoanalyse

Haben Sie sich schon mal zugesehen? Im Intensiv-Coaching nutzt Ellen Hermens auch gerne Video, um mit Ihnen an Ihren Fähigkeiten zu feilen.
[Intensiv-Coaching]

Messevorbereitung für den erfolgreichen Auftritt

Nutzen Sie den Messeauftritt Ihres Unternehmens für maximalen Erfolg. Erfahren Sie:

  • wie Sie sich bestmöglich präsentieren,
  • von der Kleidung über
  • wo sprechen Sie Besucher an bis hin zur
  • Analyse, wer ist potentieller Kunde und
  • Nachpflege nach der Messe.


[Erfolgreicher Messeeinsatz]

Videoanalyse Ihrer Rede

Erfahren Sie, was Sie noch verbessern und verfeinern können, indem Sie Ihre aufgezeichnete Rede oder Ihren aufgenommenen Vortrag von Ellen Hermens analysieren lassen und Feedback erhalten.
[Video-Feedback]

Motivationsvortrag auf Kick-Off-Meeting

Nutzen Sie eine professionelle Rednerin, Ihre Mitarbeiter zu motivieren. Buchen Sie einen Impulsvortrag.
[Vorträge, Reden, Moderation]

Welche Rhetorik-Seminare gibt es?

Sie haben die Wahl. Stöbern Sie in den Themen:
[Rhetorik-Seminar-Themen]

Keynote Speaker

Ellen Hermens ist eine erfahrene Rednerin auf Konferenzen. Buchen Sie sie für Ihre Veranstaltung, um das Publikum bereits einzustimmen.

[Vorträge, Reden, Moderation]

Rede buchen

Sie haben wie Wahl: Motivationsrede, Weihnachtsansprache, Impulsvortrag, Jubiläumsrede, und viele mehr.
[Vorträge, Reden, Moderation]

Schlechte Nachrichten vermitteln

und trotzdem motivieren. Das geht! Auch wenn Sie in der jetzigen Zeit möglicherweise zu den Unternehmen gehören, denen es nicht so gut geht, können Sie trotz Hiobsbotschaft noch motivieren. Wenn Sie wissen wie. Mit einem Intensiv-Coaching können Sie sich optimal darauf vorbereiten. [Intensiv-Coaching]