Immer wieder beobachte ich Redner, die eine gute Geschichte erzählen, nur leider kein Ziel in ihrer Rede erkennen lassen.
Besonders fiel mir das kürzlich auf: als 2. Vorsitzende repräsentiere ich regelmäßig auf Konferenzen den District der Europa-Toastmasters. Dort finden zur Zeit die Endausscheidungen der Redner statt, die dann an der Europameisterschaft antreten.
Woran erkennen Sie das Ziel in einem Vortrag?
Der rote Faden
Das Ziel einer Rede zieht sich im allgemeinen wie ein roter Faden durch den Vortrag. Ich sehe so viele exzellente Redner, die ihre Geschichte hervorragend erzählen und mit ausgefeiltem Wortwitz und pointierter Körpersprache. Das einzige was fehlt – ist die Botschaft.
Da gibt es den Redner, der eine ergreifende Geschichte seiner Beziehung erzählt und das Publikum betroffen macht. Oder die Rednerin, die erfolgreich das Rauchen beendet hat und nun neu lernen muss, ohne Zigarette zu kommunizieren – einzigartige Rollenspielleistung und charmant vorgetragen. Oder die nächste Rednerin, die Parallelen zwischen Hape Kerkelings Jakobsweg und ihrem Erdgasauto zieht.
Alle diese Reden und Vorträge hatten gemein, dass sie eine oder mehrere Geschichte erzählten.
Was fehlt ohne Ziel in der Rede?
In einer Rede ohne das Ziel, hören SIe eine Reihe von Geschichten, die auch unterhaltsam sind. In einer Rede mit Ziel überträgt der Redner seine Erfahrungen und stellt sie in größerem Zusammenhang dar – welche Lehre hat er daraus gezogen? Welche Lehre kann er seinem Publikum mitgeben? Welche Informationen oder welchen Appell kann sein Publikum mitnehmen?
Geschichten sind wie Salz in der Suppe
Verstehen Sie mich bitte richtig: Geschichten sind das Salz und Gewürz in der Suppe, die Ihre Präsentation ist. Nur haben Sie schon mal einen Teller mit Salz und Gewürzen und ein paar Tropfen Suppe erhalten? Das ist unausgewogen – genauso wie eine Suppe ohne Salz und Gewürze.
Dabei lassen sich aus vielen dieser Geschichten wirklich hervorragende Botschaften und Ziele herausfiltern und sie im größeren Zusammenhang sehen.
Verantwortung der Redner
Auch haben wir als Redner eine Verantwortung dem Publikum gegenüber. Wir steuern unser Publikum mit guten Reden in eine Stimmung hinein. Der Redner über die Beziehung hat das hervorragend geschafft – nur leider in eine sehr betroffene Stimmung. Er hat versäumt, das Publikum dann wieder in eine gute Stimmung zu führen. Klar, muss es nicht immer Begeisterung sein – beispielsweise auf einer Beerdigung. Aber das Publikum in Betroffenheit entlassen? Das können wir doch besser! Die Verantwortung des Redners sollte doch sein, dann wenigstens in eine hoffnungsvolle Stimmung überzuführen – oder noch besser in eine Emotion, in der der Zuhörer aktiv werden will, etwas gegen diesen Zustand zu unternehmen.
Ziel der Rede
Wenn Sie also eine Geschichte zu erzählen haben, überlegen Sie: Was haben die Zuhörer davon? Was können die Zuhörer aus der Geschichte lernen? Was habe ich aus der Geschichte gelernt, von dem das Publikum profitieren kann?
Dann ist eine Geschichte Teil einer Rede, Teil von etwas größerem und erfüllt einen Zweck.
Inspirieren Sie Ihr Publikum!

