Rühren Sie Ihr Publikum? – Beispiel Randy Pausch

— Written by: Ellen Hermens
Randy Pausch - in Last Lecture

Randy Pausch - in Last Lecture

Großartige Redner rühren ihr Publikum. Sie schaffen es, dass sich die Zuschauer mit ihnen identifizieren und vermitteln ihre Inhalte mit Emotionen.

Ein exzellentes Beispiel ist die Abschiedsvorlesung von Randy Pausch. Lassen Sie uns diesen Vortrag doch einmal genauer anschauen, es gibt Techniken, die auch Ihre Präsentationstechnik erweitern:

  1. Introduce the elephant in the room -- räumen Sie ablenkende Themen aus dem Raum
  2. Persönliche Geschichten / Story-Telling
  3. Wiederholungen als Stil-Element
  4. Visuelle Hilfsmittel
  5. Begeisterung -- Verbundenheit

Natürlich haben Sie nicht immer eine Rede, mit der Sie berühren und inspirieren möchten. Falls doch, ist Randy Pausch´s Last Lecture ein hervorragendes Beispiel. Der Blogger Andrew Dlugan (Six Minutes, Englisch), bezeichnet ihn in seinem Beitrag vom 31.12.08 sogar als DEN besten Redner.

Was macht Randy Pausch´s Vortrag nun so einzigartig?

Mein erster Impuls war: Hmmm, also er ist ja nicht passend gekleidet vor so einem großen Publikum und in den ersten paar Minuten häufen sich seine Ähs stark. Und doch war ich von Anfang an gefesselt. Lassen Sie mich erläutern warum.

Introduce the elephant in the room -- räumen Sie ablenkende Themen aus dem Raum

Ein gutes Mittel, um Themen, die die Aufmerksamkeit ablenken könnten, aus dem Weg zu räumen ist: Sprechen Sie sie an. Nennen Sie sie beim Namen und dass Sie sie heute nicht behandeln. In Randy Pausch´s Fall war das seine Krebserkrankung, die er kurz präsentierte mit: darüber werde ich heute nicht sprechen. Das tat er mit ein paar begleitenden Worten, die deutlich machten, dass er sich seiner Situation voll bewusst ist. Er nahm Zuschauern den Wind aus den Segeln, die sich Sorgen machten, indem er zeigte wie fit er ist und sich fühlt. Auf diese Weise sorgte er dafür, dass seine Krankheit nicht weiter ablenkte von seinem eigentlichen Thema.

Ich habe das bei einem anderen Redner auch schon erlebt: Er brach eine Lanze für Ökostrom und begann seine Rede mit den Worten: “Ich spreche heute nicht über den Vorfall, der kürzlich in einem Atomkraftwerk zu einer Katastrophe hätte führen können oder  über die Umweltverschmutzung, die Kohlekraftwerke verursachen.” -- Damit holte er diese Vorfälle in die Köpfe der Leute zurück und erinnerte sie an die Vielschichtigkeit des Themas bevor er dann auf ein Detail des Themas im Vortrag überging.

Ein hervorragender Kniff, das Publikum zu beruhigen und mit sauberem Hintergrund die Gedanken und Gefühle der Zuschauer auf das eigentliche Thema zu richten.

Persönliche Geschichten

Randy Pausch baute jede Menge persönliche Geschichten in seinen Vortrag ein. Er begann mit seinen Kindheitsträumen. Klar, werden Sie sagen, das Thema des Vortrags war: “Really Achieving Your Childhood Dreams” (“Erreichen Sie Ihre Kindheitsträume tatsächlich”) -- logisch spricht er da von seinen eigenen Träumen. Ich bin erstaunt, wie viele Redner in den Themen nicht ihre eigenen Erfahrungen zu Grunde legen, sondern anderer Menschen Geschichten, wenn sie überhaupt Geschichten erzählen.

Randy Pausch hat nicht nur seine Träume einzeln berichtet, sondern auch, was er tat, um sie zu erreichen. Dabei hatte er durchaus zwei Träume, die er gar nicht erreichte, allerdings viel dabei lernte. Er dankte vielen Menschen, die ihm persönlich geholfen haben. Das ist auch eine schöne Geste  -- recht amerikanisch, aber wert, sie ebenfalls zu nutzen. Randy´s Geschichten waren so präsentiert, dass jeder Zuschauer sich in ihn hineinversetzen konnte und mitfieberte, wie er sie erreichte.

Randy brachte seine Geschichten mit ausreichend Details dar, sehr plastisch. Dabei nutzte er auch visuelle Hilfsmittel, die das Spielerische der Ziele hervorhob. Beispielsweise sein Ziel “Captain Kirk sein” -- er bewunderte den Kommunikator, den Captain Kirk in den frühen Serien benutze -- handy-groß zum aufklappen. Und zog dann sein Handy aus der Tasche und klappte es auf -- die Vision, die Wirklichkeit wurde.

Wiederholungen als Stil-Element

Randy widerholt in seinem Vortrag immer wieder das Thema Hindernisse: Er zeigt die Folie mit einer Ziegelmauer, die er als Symbol für Hindernisse nutzt. Er nimmt sie als Hindernis auf und gibt ihr im Laufe seines Vortrags viele neue Bedeutungen. Die Mauer ist Sinnbild für

  1. die Prüfung, ob wir es wirklich ernst meinen,
  2. das Hindernis, das andere abhält,
  3. die Herausforderung, die uns den Erfolg so richtig wertschätzen lässt,
  4. unsere Kreativität, die wir für das Umgehen oder das Ersteigen des Hindernisses aktivieren können.

Und noch so einiges. Die stetige Wiederholung -- in diesem Fall das Hinderniss (Ziegelwand) und dessen Umdeutung -- sorgt für eine steigende Verallgemeinerung. Die Ziegelwand werden Sie nach diesem Vortrag nie mehr als unüberwindbar erleben, sondern sie hat neue Bedeutungen.

Weitere Wiederholungen schaffen Aha-Erlebnisse. Indem Randy Pausch stetig zusammenfasst und innehält, um dem Publikum zu zeigen, was er bisher behandelt hat, verankert er das Wissen, das Erlebnis tiefer in den Köpfen. Zusammenfassungen fokussieren sich auf wenige Sätze und sind die Quintessenz des bisherigen Vortrags. Dies ist besonders wertvoll, wenn Sie sicher stellen möchten, dass bestimmte Themen sich vermittelt haben.

Visuelle Hilfsmittel

Randy Pausch nutzt einige visuelle Hilfsmittel. Er zeigt in der Präsentation an strategischen Stellen Punktlisten im PowerPoint, die er kurz hält und mit Erläuterungen ergänzt. Sonst nutzt er nur Bilder und Videos.

Randy nutzt zudem einige Requisiten, die er entweder spielerisch einflicht, hervorhebt oder auch ganz ignoriert. Der Football zu seinen Ausführungen seines Kindheitstraums in der NFL zu spielen ist da noch ganz dezent und hätte nicht gestört, wenn er nicht da gewesen wäre. Allerdings die Beweise, dass er seinen Kindheitstraum “Winning stuffed animals” (Gewinnen von Stofftieren) erreicht hat, sorgen für eine weitere Auflockerung: er lässt eine Parade von 6 Riesenstofftieren auf die Bühne tragen. Und hervorragend ist sein Einsatz der Weste mit den in den Rücken geschossenen Pfeilen als er davon spricht, dass etwas nicht so lief wie geplant (schöne “versteckte” Botschaft).

Und natürlich die oben schon erwähnte Gegenüberstellung des Captain Kirk Kommunikators zum heutigen Mobiltelefon.

Begeisterung -- Verbundenheit

Randy Pausch brennt für sein Vortragsthema. Sie sehen es im Video (auch wenn Sie kein Englisch sprechen) an seinen Augen, seinem Lächeln und seinen Gesten. Randy ist selbstsicher und baut seinen Humor ein. Er ist entspannt und bewegt sich natürlich, so als ob er gerade maleine Handvoll Studenten um sich herum stehen hätte. Er zeigt, wie er sich seinem Publikum verbunden fühlt und hat eine Menge Spaß mit seinem Vortrag.

Randy zeigt nicht nur seine Begeisterung für seine Ziele, sondern auch in Details -- beispielsweise als er von der Reaktion seiner Arbeitgeber berichtet als er ein halbes Jahr Sabbatical (unbezahlten Urlaub) haben möchte, um seinen Traum Imagineer bei Disney zu verwirklichen. Er stellt beide Vorgesetzte kurz dar: der eine, der rigoros ablehnt und schon fast schreit, der andere, der locker reagiert und mehr Informationen braucht -- beide sagen im Grunde “Ich weiß nicht”, aber doch völlig unterschiedlich im Ausdruck.

Durch diese Emotionen, die so klar zu erkennen sind, wirkt Randy in hohem Maße authentisch. Jeder merkt, dass er vom Inhalt seines Vortrags überzeugt ist. Das ist eine Stärke, die gerade in nüchternen Präsentationen, wie sie heutzutage gerne in Firmen gehalten werden, gerne verloren geht: sie werden lieblos -- emotionslos heruntergebetet. Kein Wunder, dass die Zuhörer Mühe haben wach zu bleiben.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, persönliche Geschichten, visuelle Hilfsmittel und vor allem Ihre Begeisterung mit einzusetzen, um Ihr Publikum zu überzeugen. Diese Begeisterung ist ansteckend und Sie schaffen eine Verbundenheit zu Ihrem Publikum.

Randy Pausch Last Lecture -- Video, Vorlesungsskript & Buch


Vielen Dank an Randy Pausch posthum für dieses Beispiel einer hervorragenden Präsentation.

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3 Responses to “Rühren Sie Ihr Publikum? – Beispiel Randy Pausch”

  1. Naomi Isaacs sagt:

    Ja! Dieser Vortrag ist eine einzige Inspiration – sowohl inhaltlich als auch in der Art, wie er vorgetragen wird! Danke Ellen für die Erinnerung an diesen einzigartigen Lehrer!

  2. [...] Alain begann seine Rede mit einer Erinnerung – welche Überraschung für mich: er erinnerte sich an “The Last Lecture” von Randy Pausch, die ich kürzlich besprochen habe. Solch eine konkrete Erinnerung (vielleicht sah er sich am [...]

  3. [...] auf seinen Leben zurück blicken und sich fragen, ob er ein gutes Leben hatte. Er teilt seine Erfahrungen mit dem Zuhörer und schafft es mit einer Lebensfreude alle anzustecken. Das Buch ist ein Muss und sollte wenn [...]

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